Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist eine der bekanntesten Wildtierarten in Deutschland und kommt sowohl in ländlichen Regionen als auch zunehmend in Städten vor. Doch wie sieht es eigentlich mit seiner Population aus – gibt es verlässliche Zahlen und wie hat sich der Bestand entwickelt? Hier ein Überblick über Statistik und Realität:
1. Keine exakten Gesamtzahlen – aber Hinweise
Eine genaue Zahl der in Deutschland lebenden Füchse lässt sich nicht zuverlässig angeben, weil es keine flächendeckenden, wissenschaftlich erfassbaren Bestandsdaten gibt. Das bestätigt auch die Deutsche Wildtier Stiftung, die darauf hinweist, dass zwar regionale Erhebungen möglich sind, eine bundesweite Populationszahl aber nicht präzise ermittelt werden kann. (FR.de)
2. Jagdstatistik als grober Indikator
Ein grober Maßstab für das Vorkommen von Füchsen sind die sogenannten „Streckenzahlen“ – also wie viele Tiere von Jägern erlegt werden:
- In der Jagdsaison 2022/23 wurden 408.926 Füchse in Deutschland erlegt. (FR.de)
Solche hohen Erlegungszahlen deuten darauf hin, dass die Fuchspopulation insgesamt groß genug ist, um jährlich hunderttausende Individuen zu „tragen“. Allerdings spiegeln diese Zahlen nicht direkt die Gesamtpopulation wider – sie hängen auch von Jagdintensität, Wildtiermanagement und lokalen Bedingungen ab.
3. Historische Trends und Populationsentwicklungen
Langfristige wissenschaftliche Bestandsdaten über den gesamten Zeitraum gibt es für Deutschland nicht flächendeckend. Regionaler Monitoring-Daten zeigen jedoch:
- Im Zeitraum 2003–2007 blieben in ausgewählten Referenzgebieten die Dichten und Reproduktion des Rotfuchses stabil auf einem „hohen Niveau“ – entsprechend der Jagdzahlen in diesen Jahren. (FAO AGRIS)
Im europäischen Kontext wurde schon beobachtet, dass die Fuchszahlen insbesondere nach der erfolgreichen Tollwutimpfung in den 1980er Jahren in vielen Regionen zugenommen haben – weil durch den Wegfall der Krankheit weniger Füchse starben. Detaillierte hohe Zahlen fehlen aber für Deutschland im offiziellen Monitoring. (Canids)
4. Füchse in Stadt und Land
Füchse sind äußerst anpassungsfähig und leben inzwischen nicht nur in Wäldern oder Feldern, sondern auch in urbanen Räumen:
- In Großstädten wie Berlin oder München sind urban lebende Rotfüchse inzwischen regelmäßig zu beobachten, oft mit mehreren Tausend Exemplaren, die sich an den Stadtlebensraum angepasst haben. (Spiegel)
Städtische Füchse nutzen die Vorteile von Nahrungsresten und Schutzräumen und bilden häufig dichte Populationsgruppen im urbanen Raum.
5. Warum die Zahlen schwierig zu vergleichen sind
Ein Grund, warum es keine verlässlichen Gesamtzahlen gibt, ist:
- Die Tiere leben verteilt und teilweise nachtaktiv – Sichtungen sind schwer zu erfassen.
- Jagdzahlen spiegeln nur die Erlegte wider, nicht die Gesamtzahl.
- Populationsschätzungen variieren stark zwischen Regionen, Jahreszeiten und Erhebungsmethoden.
Das macht die Erstellung einer zuverlässigen, bundesweiten Statistik schwierig.
6. Einflussfaktoren auf die Fuchspopulation
Die Population des Rotfuchses wird von mehreren Faktoren beeinflusst:
- Jagd – in Deutschland wird der Fuchs intensiv bejagt; rund eine halbe Million Füchse werden jährlich getötet. (Pro Fuchs Deutschland)
- Lebensraum – Füchse passen sich gut an menschliche Lebensräume an.
- Ernährung – offene Müllplätze oder Futterquellen in Städten begünstigen das Überleben.
- Krankheiten – die Ausrottung der Tollwut in den 1980er Jahren führte zu langfristig höheren Beständen in ganz Europa. (Canids)
Fazit – Was sagt die Statistik wirklich?
- Keine exakte Gesamtzahl der Füchse in Deutschland ist aktuell wissenschaftlich belegt. (FR.de)
- Jagdzahlen im hohen fünfstelligen Bereich deuten auf einen robusten Bestand hin. (FR.de)
- Stabile regionale Dichten zeigen, dass der Rotfuchs sowohl in ländlichen als auch urbanen Gebieten weit verbreitet ist. (FAO AGRIS)
Insgesamt ist der Rotfuchs in Deutschland nicht gefährdet, sondern weit verbreitet und anpassungsfähig – sowohl in Wäldern als auch in Städten.