
Bienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer Landschaft. Doch „die Biene“ gibt es nicht. In Deutschland treffen zwei sehr unterschiedliche Gruppen aufeinander: die Honigbiene, die als Nutztier vom Menschen gehalten wird, und mehrere hundert Wildbienenarten, die überwiegend solitär leben und jeweils ganz unterschiedliche Ansprüche an Nahrung und Lebensraum haben.
2026 zeigen die verfügbaren Zahlen ein differenziertes Bild: Die Zahl der gehaltenen Honigbienenvölker ist vergleichsweise gut dokumentiert, während bei Wildbienen vor allem die Gefährdung vieler Arten im Mittelpunkt steht. Gleichzeitig besitzt die Bestäubungsleistung einen erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Wert.
Wie viele Bienen gibt es in Deutschland?
Bei Honigbienen lässt sich die Zahl der Völker relativ gut erfassen.
Der Deutsche Imkerbund gibt aktuell rund 143.000 Imkerinnen und Imker und etwa 964.000 Bienenvölker für Deutschland an. Der Verband weist allerdings darauf hin, dass diese Zahlen Schätzungen für die gesamte Imkerschaft sind. In seinem eigenen Verband waren 2024 rund 137.223 Mitglieder mit 929.065 Bienenvölkern organisiert.
Die Honigbienenpopulation ist damit nicht mit der Zahl einzelner Bienen gleichzusetzen. Ein Bienenvolk besteht je nach Jahreszeit aus vielen tausend Tieren. Im Sommer kann ein starkes Volk etwa 40.000 bis 60.000 Arbeiterinnen umfassen.
Bei Wildbienen ist die Situation völlig anders: Hier zählt man keine „Völker“, sondern einzelne Arten und deren Vorkommen und Bestände.
Rund 560 Wildbienenarten in Deutschland
In Deutschland sind nach Angaben des Deutschen Imkerbundes etwa 560 Wildbienenarten nachgewiesen.
Wildbienen sind eine äußerst vielfältige Gruppe. Dazu gehören beispielsweise:
- Sandbienen
- Mauerbienen
- Furchenbienen
- Schmalbienen
- Pelzbienen
- Seidenbienen
- Wollbienen
- Maskenbienen
- Hummeln
Auch Hummeln gehören biologisch zu den Wildbienen.
Die Größenunterschiede sind enorm: Wildbienen können laut D.I.B. lediglich etwa 3 Millimeter, aber auch rund 3 Zentimeter groß werden.
Honigbiene und Wildbiene: Wo liegt der Unterschied?
Die Honigbiene lebt in einem hochorganisierten Sozialverband. Ein Bienenvolk überwintert gemeinsam und wird in Deutschland überwiegend von Imkerinnen und Imkern betreut.
Die meisten Wildbienenarten leben dagegen solitär. Ein einzelnes Weibchen baut sein Nest und versorgt seine Nachkommen selbst. Nur ein kleiner Teil der Wildbienen lebt in sozialen Staaten.
Auch beim Aktionsradius gibt es große Unterschiede. Der Deutsche Imkerbund nennt für Wildbienen meistens nur einige hundert Meter Flugradius. Honigbienen können dagegen wesentlich größere Entfernungen zwischen Stock und Trachtquelle zurücklegen.
Das hat Konsequenzen für den Naturschutz: Für viele Wildbienen reicht ein einzelnes Blumenbeet nicht aus. Sie benötigen gleichzeitig geeignete Nahrungsquellen und passende Nistplätze in erreichbarer Nähe.
75 Prozent der Wildbienen nisten im Boden
Eine besonders wichtige Zahl für Gartenbesitzer lautet: Rund 75 Prozent der Wildbienenarten nisten im Boden.
Damit sind viele beliebte „Insektenhotels“ nur für einen Teil der Arten interessant.
Wildbienen benötigen je nach Art beispielsweise:
- offene Sandflächen
- lockere Böden
- Lehmwände
- Totholz
- Pflanzenstängel
- Mauerspalten
- alte Käfergänge
- natürliche Hohlräume
Wer Wildbienen fördern möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich Nisthilfen aufstellen. Offene Bodenstellen, strukturreiche Beete und ein möglichst kontinuierliches Blütenangebot können mindestens genauso wichtig sein.
Wildbienensterben: Wie ernst ist die Situation?
Die Zahl von rund 560 Arten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahlreiche Wildbienenarten gefährdet sind.
Der Rückgang vieler Arten steht in Zusammenhang mit dem Verlust geeigneter Lebensräume, Veränderungen der Landnutzung und fehlenden Nistmöglichkeiten. Der Deutsche Imkerbund verweist 2026 ausdrücklich auf diese Faktoren und betont, dass Wildbienen vielfältige Landschaftsstrukturen benötigen.
Besonders problematisch ist die zunehmende Vereinheitlichung von Landschaften. Blütenreiche Wiesen, Brachen, Feldraine, Hecken und offene Bodenstellen werden vielerorts seltener oder voneinander getrennt.
Für spezialisierte Wildbienen kann das dramatische Folgen haben.
Spezialisten sind besonders verwundbar
Viele Wildbienenarten sammeln Pollen nicht wahllos.
Ein Teil ist auf bestimmte Pflanzenarten oder Pflanzenfamilien spezialisiert. Der D.I.B. weist darauf hin, dass viele Wildbienen Pollen für ihre Nachkommen nur von einer bestimmten Pflanzenart oder Pflanzenfamilie sammeln.
Verschwindet eine solche Nahrungspflanze aus der Landschaft, verliert die entsprechende Wildbiene gleichzeitig eine wichtige Lebensgrundlage.
Honigbienen können dagegen wesentlich flexibler auf unterschiedliche Trachtquellen ausweichen.
Das bedeutet: Eine Landschaft kann für Honigbienen noch ausreichend Nahrung bieten, während einzelne spezialisierte Wildbienenarten bereits erhebliche Probleme haben.
Bestäubung: Der wirtschaftliche Wert ist enorm
Die ökonomische Bedeutung der Bienen lässt sich nicht nur am Honig messen.
Der Deutsche Imkerbund beziffert den volkswirtschaftlichen Nutzen der Bestäubungsleistung der Honigbiene in Deutschland auf etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr. Weltweit wird der Wert mit rund 70 Milliarden US-Dollar angegeben.
Diese Zahlen sollten allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Der ökonomische Wert der Bestäubung hängt von der betrachteten Kultur, den Ertragssteigerungen und der jeweiligen Berechnungsmethode ab. Außerdem leisten nicht nur Honigbienen Bestäubungsarbeit.
Gerade Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten tragen ebenfalls erheblich zur Bestäubung bei.
Wie abhängig ist die Landwirtschaft von Bienen?
Viele Nutzpflanzen profitieren von tierischer Bestäubung.
Dazu zählen unter anderem:
- Äpfel
- Birnen
- Kirschen
- Erdbeeren
- Raps
- Kürbis
- Sonnenblumen
- viele Beerenfrüchte
Der Deutsche Imkerbund nennt als Orientierungswert, dass rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland von der Bestäubung der Honigbiene abhängen.
Diese Angabe ist allerdings nicht gleichbedeutend damit, dass 85 Prozent der gesamten deutschen Landwirtschaft ohne Honigbienen ausfallen würden. Bei vielen Kulturpflanzen beeinflussen Bestäuber vor allem Ertrag, Fruchtgröße, Qualität oder Samenbildung.
Außerdem können bei verschiedenen Kulturen Wildbienen und andere Bestäuber eine wichtige Rolle übernehmen.
Honig: Ein wichtiger Nutzwert der Honigbiene
Im Gegensatz zu Wildbienen liefert die Honigbiene neben ihrer Bestäubungsleistung ein direkt vermarktbares Produkt: Honig.
2025 war dabei ein außergewöhnlich gutes Honigjahr.
Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes produzierte ein Bienenvolk 2025 durchschnittlich rund 37,5 Kilogramm Honig. Das war laut D.I.B. ein Spitzenwert in den vergangenen zehn Jahren der entsprechenden Umfragen des Fachzentrums für Bienen und Imkerei in Mayen.
Regional gab es allerdings große Unterschiede.
Beim Frühjahrshonig wurden durchschnittlich 18,2 Kilogramm pro Volk geerntet, bei der Sommertracht 19,3 Kilogramm.
Deutschland produziert weniger Honig als es verbraucht
Trotz der guten Ernte bleibt Deutschland stark auf Honigimporte angewiesen.
Der Deutsche Imkerbund geht von einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 1 Kilogramm Honig pro Jahr aus. Bei rund 83,5 Millionen Einwohnern entspricht das einem Bedarf von ungefähr 83.500 Tonnen.
Für 2025 schätzt der Verband die heimische Produktion auf etwa 45.000 Tonnen. Daraus ergibt sich eine rechnerische Lücke von rund 38.500 Tonnen, die überwiegend durch Importe gedeckt wird.
Die Honigbiene besitzt damit nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen bedeutenden landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzwert.
Wie viele Blüten besucht eine Honigbiene?
Auch die Sammelleistung einzelner Völker ist beeindruckend.
Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes kann eine Arbeitsbiene bei einem Ausflug etwa 200 bis 300 Blüten besuchen. Für ein 500-Gramm-Glas deutschen Honigs werden laut D.I.B. ungefähr 2 Millionen Pflanzen angeflogen und dabei rund 7,5 Millionen Blüten bestäubt.
Für die gesamte Bestäubungsleistung ist jedoch entscheidend, dass ein Bienenvolk aus vielen tausend Arbeiterinnen besteht und über einen langen Zeitraum hinweg sammelt.
Honigbienen sind nicht automatisch Ersatz für Wildbienen
Eine hohe Zahl an Honigbienenvölkern kann den Verlust von Wildbienenarten nicht einfach kompensieren.
Der Grund liegt in den unterschiedlichen ökologischen Rollen.
Honigbienen sind Generalisten und können große Flächen nach ergiebigen Trachtquellen absuchen. Viele Wildbienenarten sind dagegen stärker an bestimmte Pflanzen und Lebensräume gebunden.
Darüber hinaus unterscheiden sich Körpergröße, Flugzeit, Nestbau und Bestäubungsverhalten.
Eine vielfältige Bestäuberlandschaft besteht deshalb nicht nur aus Honigbienen.
Warum Wildbienen für die Landwirtschaft wichtig sind
Wildbienen können bei bestimmten Kulturen besonders effektive Bestäuber sein.
Hummeln können beispielsweise auch bei relativ niedrigen Temperaturen aktiv sein. Einige Wildbienenarten fliegen früh im Jahr, andere sind auf bestimmte Blühzeiten spezialisiert.
Für Landwirte bedeutet eine vielfältige Bestäubergemeinschaft eine größere ökologische Absicherung.
Wenn verschiedene Bestäubergruppen vorhanden sind, kann die Bestäubung weniger abhängig von einer einzigen Art oder einem einzigen Bewirtschaftungssystem werden.
Die Bestände der Honigbienen sind besser dokumentiert
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Honig- und Wildbienen liegt in der Datenlage.
Honigbienenvölker werden über Imkervereine, Verbände und statistische Erhebungen vergleichsweise gut erfasst. Der D.I.B. veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu Mitgliedern und Völkern.
Bei Wildbienen ist die Bestandsentwicklung wesentlich schwieriger zu messen.
Man kann relativ zuverlässig feststellen, welche Arten in Deutschland vorkommen. Viel schwieriger ist dagegen die Frage:
Wie viele Individuen jeder Art gibt es tatsächlich – und wie verändert sich ihre Population von Jahr zu Jahr?
Deshalb wird das Wildbienensterben häufig anhand von Gefährdungsstatus, Verbreitungsgebieten, Nachweisen und langfristigen Beobachtungsdaten bewertet.
2026: Lebensraum bleibt der entscheidende Faktor
Aktuelle Beiträge des Deutschen Imkerbundes betonen 2026 erneut, dass Wildbienen mehr als nur Blüten benötigen. Hecken, Brachen, offene Bodenstellen und andere Landschaftsstrukturen sind wichtige Bestandteile eines geeigneten Lebensraums.
Für einen bienenfreundlichen Garten bedeutet das:
Nicht möglichst viele Blumen auf möglichst kleiner Fläche sind das alleinige Ziel.
Besser ist eine Kombination aus:
- heimischen und vielfältigen Blühpflanzen
- Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst
- offenen Bodenstellen
- Totholz
- strukturreichen Hecken
- naturnahen Bereichen
- möglichst wenig Pestizideinsatz
- geeigneten Überwinterungs- und Nistmöglichkeiten
Was können Gartenbesitzer 2026 tun?
Schon kleine Flächen können wertvolle Strukturen schaffen.
Blühzeiten verlängern
Statt nur im Frühsommer zu blühen, sollte ein Garten möglichst von März bis Oktober Nahrung anbieten.
Heimische Pflanzen verwenden
Einheimische Pflanzen unterstützen häufig mehr heimische Insektenarten als stark spezialisierte Zierpflanzen.
Nicht jede wilde Ecke entfernen
Abgeblühte Pflanzenstängel, Totholz und kleine unaufgeräumte Bereiche können wichtige Nist- und Überwinterungsplätze darstellen.
Offene Erde zulassen
Da rund drei Viertel der Wildbienenarten im Boden nisten, sind völlig dicht bepflanzte oder dauerhaft gemulchte Flächen nicht für alle Arten ideal.
Pestizide vermeiden
Ein naturnaher Garten kann dazu beitragen, den Druck auf Bestäuber zu reduzieren.
Wildbienenhotel oder Naturfläche?
Ein hochwertiges Insektenhotel kann sinnvoll sein, ist aber kein Allheilmittel.
Viele handelsübliche Nisthilfen sind schlecht konstruiert oder werden von Wildbienen kaum angenommen. Gleichzeitig profitieren die meisten Wildbienenarten gar nicht von solchen künstlichen Hohlräumen, weil sie ihre Nester im Boden anlegen.
Wer nur eine Maßnahme umsetzen möchte, sollte deshalb nicht automatisch zum Insektenhotel greifen.
Eine Kombination aus Blütenangebot, offenen Bodenstellen und strukturreichen Lebensräumen ist ökologisch deutlich breiter wirksam.
Die wichtigsten Bienen-Zahlen 2026 im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Nachgewiesene Wildbienenarten in Deutschland | ca. 560 |
| Anteil der Wildbienenarten mit Bodennestern | ca. 75 % |
| Geschätzte Imkerinnen und Imker in Deutschland | ca. 143.000 |
| Geschätzte Bienenvölker | ca. 964.000 |
| D.I.B.-Mitglieder 2024 | 137.223 |
| Bienenvölker der D.I.B.-Mitglieder 2024 | 929.065 |
| Durchschnittliche Honigernte 2025 | ca. 37,5 kg/Volk |
| Honigverbrauch Deutschland | ca. 1 kg/Kopf/Jahr |
| Geschätzter deutscher Honigbedarf | ca. 83.500 t/Jahr |
| Geschätzte deutsche Honigproduktion 2025 | ca. 45.000 t |
| Rechnerische Honiglücke 2025 | ca. 38.500 t |
| Ökonomischer Wert der Honigbienen-Bestäubung in Deutschland laut D.I.B. | ca. 2 Mrd. €/Jahr |
Die Zahlen stammen überwiegend aus Veröffentlichungen des Deutschen Imkerbundes und beziehen sich teilweise auf unterschiedliche Jahre und Erhebungsmethoden. Sie sind daher nicht als eine einheitliche statistische Zeitreihe zu verstehen.
Fazit: Honigbienen sind Nutztiere, Wildbienen sind Biodiversität
Die Bienenstatistik 2026 zeigt zwei Seiten desselben Themas.
Deutschland verfügt über eine große Zahl gehaltener Honigbienenvölker. Gleichzeitig sind rund 560 Wildbienenarten nachgewiesen, von denen viele auf spezielle Lebensräume und Nahrungspflanzen angewiesen sind.
Die Honigbiene besitzt einen erheblichen wirtschaftlichen Wert: Sie liefert Honig und trägt zur Bestäubung zahlreicher Kulturpflanzen bei. 2025 erzielte ein Bienenvolk mit durchschnittlich 37,5 Kilogramm eine außergewöhnlich gute Honigernte.
Beim Arten- und Naturschutz reicht es jedoch nicht, die Zahl der Honigbienenvölker zu erhöhen. Wildbienen brauchen vor allem geeignete Lebensräume, vielfältige Nahrung und Nistmöglichkeiten.
Die wichtigste Erkenntnis für 2026 lautet deshalb: Eine bienenfreundliche Landschaft braucht beides – stabile Honigbienenhaltung und den Schutz der wild lebenden Bestäuber.