Dünger-Statistik: Welches organische Material liefert die meisten Nährstoffe 2026?

Dünger-Statistik Welches organische Material liefert die meisten Nährstoffe 2026

Organische Dünger sind im Garten, Gemüsebau und in der Landwirtschaft weit mehr als reine Stickstofflieferanten. Mist, Gülle, Kompost, Geflügelkot und andere organische Materialien bringen gleichzeitig Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium und organische Substanz in den Boden.

Doch welcher organische Dünger ist tatsächlich am nährstoffreichsten? Die Antwort hängt davon ab, welchen Nährstoff man betrachtet und ob man pro Tonne Frischmasse oder pro Kilogramm Trockensubstanz rechnet.

Aktuelle Richtwerte zeigen deutliche Unterschiede: Besonders Geflügelkot und getrockneter Hühnerkot erreichen sehr hohe Nährstoffkonzentrationen. Bei flüssigen Wirtschaftsdüngern ist dagegen Hühnergülle vergleichsweise nährstoffreich.

Die wichtigsten Nährstoffe im Überblick

Bei der Bewertung organischer Dünger sind vor allem diese Hauptnährstoffe relevant:

  • Stickstoff (N): wichtig für Blatt- und Triebwachstum
  • Phosphor (P₂O₅): spielt unter anderem für Wurzelentwicklung und Energiehaushalt eine Rolle
  • Kalium (K₂O): beeinflusst Wasserhaushalt, Stabilität und Widerstandsfähigkeit
  • Magnesium (MgO): Bestandteil des Chlorophylls
  • Calcium (CaO): wichtig für Zellstrukturen und Bodenchemie

Bei der Kennzeichnung von Düngemitteln werden Phosphor und Kalium in Deutschland üblicherweise als P₂O₅ beziehungsweise K₂O angegeben. Das ist wichtig, wenn verschiedene Dünger miteinander verglichen werden.

Welcher organische Dünger hat die höchsten Nährstoffgehalte?

Ein Blick auf Richtwerte der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeigt, wie groß die Unterschiede sein können. Besonders konzentriert sind getrocknete Geflügelprodukte.

Organischer Dünger Gesamt-N kg/t P₂O₅ kg/t K₂O kg/t
Rindermist ca. 5,5 ca. 3,0 ca. 9,1
Pferdemist ca. 4,8 ca. 3,1 ca. 9,4
Schafmist ca. 10,1 ca. 5,4 ca. 13,2
Hühnerfrischkot ca. 17,0 ca. 11,4 ca. 10,0
Hühnertrockenkot ca. 25,5 ca. 20,1 ca. 17,5
getrockneter Hühnerkot ca. 32,0 ca. 27,7 ca. 22,8

Die Werte sind Richtwerte und können abhängig von Tierhaltung, Einstreu, Wassergehalt, Lagerung und Aufbereitung erheblich schwanken.

Spitzenreiter: getrockneter Hühnerkot

Bei der Konzentration der drei klassischen Hauptnährstoffe liegt getrockneter Hühnerkot besonders weit vorne.

Mit rund 32 kg Gesamtstickstoff, 27,7 kg P₂O₅ und 22,8 kg K₂O pro Tonne enthält er deutlich mehr Nährstoffe als beispielsweise Rinder- oder Pferdemist.

Der Grund ist vor allem der hohe Trockensubstanzgehalt von etwa 70 Prozent. Je weniger Wasser ein organisches Material enthält, desto stärker konzentrieren sich seine Nährstoffe auf die Masseeinheit.

Geflügelkot ist besonders nährstoffreich

Auch Hühnerfrischkot und Hühnertrockenkot erreichen hohe Werte.

Bei Hühnerfrischkot werden in den aktuellen Richtwerten etwa 17 kg N, 11,4 kg P₂O₅ und 10 kg K₂O pro Tonne angegeben. Hühnertrockenkot kommt auf etwa 25,5 kg N, 20,1 kg P₂O₅ und 17,5 kg K₂O pro Tonne.

Damit ist Geflügelkot im Durchschnitt wesentlich konzentrierter als klassischer Rindermist.

Das hat allerdings einen wichtigen Nebeneffekt: Ein nährstoffreicher Dünger ist nicht automatisch ein Dünger, von dem man beliebig viel ausbringen sollte.

Rindermist: weniger konzentriert, aber wertvoll für den Boden

Rindermist enthält im Vergleich zu Geflügelkot deutlich weniger Nährstoffe pro Tonne.

Richtwerte liegen bei ungefähr:

  • 5,5 kg Gesamt-N
  • 3,0 kg P₂O₅
  • 9,1 kg K₂O

pro Tonne Frischmasse.

Seine Bedeutung liegt jedoch nicht ausschließlich in der Nährstoffkonzentration.

Stallmist bringt gleichzeitig organische Substanz in den Boden. Damit kann er zur Verbesserung der Bodenstruktur und zum Aufbau beziehungsweise Erhalt organischer Substanz beitragen.

Für einen Gartenboden ist deshalb nicht automatisch der Dünger mit dem höchsten Stickstoffgehalt die beste Wahl.

Pferdemist: besonders interessant für Garten und Bodenstruktur

Pferdemist weist laut den Richtwerten etwa 4,8 kg N, 3,1 kg P₂O₅ und 9,4 kg K₂O pro Tonne auf.

In der Praxis ist Pferdemist häufig mit Stroh oder anderer Einstreu vermischt. Dadurch verändert sich der Nährstoffgehalt erheblich.

Gut verrotteter Pferdemist wird deshalb traditionell als organischer Bodenverbesserer im Garten eingesetzt. Frischer Mist sollte dagegen nicht unkritisch direkt an empfindliche Kulturen gegeben werden.

Schaf- und Ziegenmist: hohe Konzentration

Schafmist kann deutlich konzentrierter sein als Rindermist. Ein Richtwert nennt etwa 10,1 kg Gesamt-N, 5,4 kg P₂O₅ und 13,2 kg K₂O pro Tonne.

Auch Ziegenmist erreicht vergleichsweise hohe Werte.

Das zeigt: Die Tierart hat einen erheblichen Einfluss auf den Nährstoffgehalt von Festmist. Zusätzlich spielen Fütterung, Einstreu und Wassergehalt eine entscheidende Rolle.

Flüssige Dünger: Gülle liefert Nährstoffe auf kleinem Raum

Bei Gülle muss anders gerechnet werden, denn die Richtwerte werden üblicherweise in Kilogramm pro Kubikmeter angegeben.

Für Milchvieh- und Rindergülle nennt die Landwirtschaftskammer je nach Trockensubstanz beispielsweise ungefähr 3,2 bis 4,6 kg Gesamt-N pro m³ sowie etwa 3,9 bis 5,2 kg K₂O pro m³.

Die Werte steigen mit zunehmendem Trockensubstanzgehalt.

Eine aktuelle Veröffentlichung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft nennt für ein berechnetes Beispiel etwa 3,87 kg N, 1,97 kg P₂O₅ und 4,83 kg K₂O pro m³ Gülle/Jauche. Für Stallmist wurden in demselben Beispiel 3,78 kg N, 0,38 kg P₂O₅ und 6,70 kg K₂O pro Tonne berechnet.

Hühnergülle ist besonders konzentriert

Bei flüssigen Wirtschaftsdüngern fällt Hühnergülle auf.

Ein Richtwert nennt für Hühnergülle etwa:

  • 7,8 kg N/m³
  • 4,8 kg P₂O₅/m³
  • 5,8 kg K₂O/m³

Damit liegt sie bei der Nährstoffkonzentration pro Kubikmeter deutlich über typischer Rindergülle.

Kompost: weniger Sofortstickstoff, aber wichtig für den Humus

Kompost ist bei einem reinen NPK-Vergleich schwer mit Geflügelkot oder Gülle gleichzusetzen.

Seine Stärke liegt weniger in einem hohen Anteil sofort verfügbarer Nährstoffe als in der Kombination aus organischer Substanz, langsam freigesetzten Nährstoffen und Bodenverbesserung.

Besonders wichtig ist dabei der Stickstoff: Die Düngeverordnung setzt für Grünschnittkompost eine Mindestwirksamkeit von lediglich 3 Prozent des Gesamtstickstoffs im Jahr der Ausbringung an. Für sonstige Komposte sind es 5 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass Kompost „kaum Nährstoffe“ enthält. Ein erheblicher Teil des Stickstoffs ist vielmehr organisch gebunden und wird langsamer freigesetzt.

Der entscheidende Unterschied: Gesamt-N und verfügbarer Stickstoff

Beim Vergleich organischer Dünger darf man nicht nur auf den Gesamtstickstoff schauen.

Ein Dünger kann beispielsweise 20 kg Gesamt-N pro Tonne enthalten, aber nur einen Teil davon im ersten Jahr für Pflanzen verfügbar machen.

Die Düngeverordnung schreibt deshalb für zahlreiche organische Dünger Mindestwerte für die Stickstoffausnutzung vor. Bei Rindergülle liegt die Mindestwirksamkeit beispielsweise bei 60 Prozent auf Ackerland; für Schweinegülle sind es 70 Prozent. Bei Rinder-, Schaf- und Ziegenfestmist sind es 25 Prozent, bei Hühnertrockenkot 60 Prozent.

Damit wird deutlich:

Der nährstoffreichste Dünger ist nicht automatisch derjenige, der im ersten Jahr den größten Pflanzeneffekt erzeugt.

Warum getrockneter Dünger so hohe Werte erreicht

Der Wasseranteil ist für den Vergleich entscheidend.

Ein organischer Dünger mit 70 Prozent Trockensubstanz enthält pro Tonne erheblich mehr konzentrierte Nährstoffe als ein Material mit beispielsweise 20 bis 30 Prozent Trockensubstanz.

Deshalb sollte man beim Einkauf oder bei der eigenen Düngerkalkulation immer prüfen:

  1. Wie hoch ist der Trockensubstanzgehalt?
  2. Wie viel Gesamt-N enthält das Material?
  3. Wie viel davon ist verfügbar?
  4. Wie hoch sind P₂O₅ und K₂O?
  5. Welche Ausbringungsmenge ist tatsächlich erforderlich?

Was ist 2026 der „beste“ organische Dünger?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Für maximale Nährstoffkonzentration

Getrockneter Hühnerkot liegt bei den genannten Richtwerten klar vorne. Er liefert pro Tonne besonders viel Stickstoff, Phosphat und Kalium.

Für Stickstoffversorgung

Geflügelkot und Geflügeltrockenkot sind besonders konzentriert. Auch Gülle kann erhebliche Mengen an pflanzenverfügbarem Stickstoff liefern.

Für Kalium

Hier können Schafmist, Pferdemist und Geflügelprodukte vergleichsweise hohe Werte erreichen. Die genaue Rangfolge hängt jedoch vom Ausgangsmaterial und dessen Wassergehalt ab.

Für Humus und Bodenstruktur

Kompost und gut verrotteter Festmist sind besonders interessant, weil neben Nährstoffen auch organische Substanz in den Boden gelangt.

Vorsicht bei Phosphor

Ein hoher Nährstoffgehalt ist nicht grundsätzlich positiv.

Gerade Geflügelmist kann sehr viel Phosphor enthalten. Wer über Jahre stark phosphathaltige organische Dünger ausbringt, kann den Phosphorgehalt des Bodens erhöhen.

Deshalb sollte die Düngung grundsätzlich am tatsächlichen Bedarf der Kultur und am Nährstoffzustand des Bodens ausgerichtet werden.

Die Düngeverordnung enthält entsprechende Vorgaben zur bedarfsgerechten Düngung und zur Begrenzung von Nährstoffverlusten.

Auch organische Dünger sind nicht „automatisch nachhaltig“

Organische Herkunft bedeutet nicht, dass ein Material unbegrenzt eingesetzt werden kann.

Zu viel Stickstoff kann zu Nährstoffverlusten führen. Überschüssiger Phosphor kann sich im Boden anreichern. Bei falscher Anwendung können außerdem Geruchs- und Ammoniakemissionen entstehen.

Die Düngeverordnung regelt deshalb unter anderem die Anwendung organischer und organisch-mineralischer Dünger sowie die Anrechnung der Stickstoffwirkung.

Ein Ranking der wichtigsten organischen Materialien

Nach den genannten Richtwerten ergibt sich für die Nährstoffkonzentration pro Tonne ungefähr folgendes Bild:

1. Getrockneter Hühnerkot
Sehr hohe Konzentration bei N, P₂O₅ und K₂O.

2. Hühnertrockenkot
Ebenfalls sehr nährstoffreich und deutlich konzentrierter als klassischer Stallmist.

3. Hühnerfrischkot
Hoher Stickstoff- und Phosphorgehalt trotz höherem Wasseranteil.

4. Schafmist
Deutlich konzentrierter als typischer Rindermist.

5. Pferde- und Ziegenmist
Interessante Kombination aus Nährstoffen und organischer Substanz.

6. Rindermist
Niedrigere Nährstoffkonzentration, dafür wertvoll als organischer Bodenverbesserer.

7. Kompost
Geringere kurzfristige Stickstoffwirkung, dafür langfristig interessant für Bodenstruktur und organische Substanz.

Diese Rangfolge ist ausdrücklich nur eine grobe Orientierung. Die tatsächlichen Werte können je nach Ausgangsmaterial erheblich abweichen.

Fazit: Der nährstoffreichste Dünger ist nicht immer der beste

Die Dünger-Statistik 2026 zeigt einen klaren Spitzenreiter bei der reinen Nährstoffkonzentration: Getrockneter Hühnerkot liefert nach den zugrunde gelegten Richtwerten besonders viel Stickstoff, Phosphat und Kalium pro Tonne. Auch Hühnertrockenkot und Hühnerfrischkot gehören zu den konzentriertesten organischen Düngern.

Für die Praxis zählt jedoch nicht allein die Zahl auf dem Papier.

Kompost und Festmist können durch organische Substanz und langfristige Bodenwirkung interessant sein, während Gülle und Geflügeldünger besonders effektiv Nährstoffe bereitstellen können. Entscheidend sind deshalb Bodenanalyse, Pflanzenbedarf, Nährstoffform, Ausbringungszeitpunkt und die tatsächlich verfügbare Nährstoffmenge.

Die wichtigste Faustregel für 2026 lautet daher:

Nicht der Dünger mit den meisten Nährstoffen ist automatisch der beste – sondern derjenige, der den tatsächlichen Bedarf des Bodens und der Kultur möglichst präzise deckt.

Quellen und weiterführende Informationen

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